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Historische Übersicht Neumünster-Ascheberg (-Eutin-Neustadt)

Die Eisenbahnstrecke Neumünster-Ascheberg-Eutin-Neustadt wurde am 31.5.1866 eröffnet. Diese Staatsbahnstrecke sollte nach dem dänischen Hafen Glückstadt (Elmshorn-Glückstädter Eisenbahn) als Konkurrenzhafen zu Hamburg im Westen den Ostseehafen Neustadt als Konkurrenzhafen von Lübeck an das Eisenbahnnetz anschliessen. Gleichzeitig mit Baubeginn dieser Bahnstrecke wurde auch die Verbindung zwischen Kiel und Ascheberg erstellt. Diese ursprünglich als untergeordnete Zubringerstrecke geplante Bahn entwickelte sich rasch als die verkehrlich wichtigere Strecke im Vergleich zum Streckenabschnitt Neumünster-Ascheberg. Am 10. April 1873 wurde die private Eutin-Lübecker Eisenbahn (ELE) eröffnet. Heute bilden die einzelnen Streckenteile Kiel-Ascheberg, Ascheberg-Eutin und Eutin-Lübeck die Bahnstrecke Kiel-Lübeck.

Die Bahnstrecke Eutin-Neustadt wurde am 22.5.1982 eingestellt und danach abgebaut. Nachdem der durchgehende Ferngüterverkehr (Ruhr-Hamburg-Neumünster-Ascheberg-Eutin-Neustadt) eingestellt war, gab es ausser seltenen Einzelwagenladungen keinen Güterverkehr mehr auf diesem Streckenabschnitt - mit Ausnahme der Kraftwerksbelieferung in Neumünster selbst. Der Personenverkehr beschränkte sich auf regionalen Zubringerverkehr nach Neumünster und Ascheberg/Plön, insbesondere Schülerverkehr und Berufspendler. Die Personenzüge Ascheberg-Neumünster verkehrten in den letzten Jahren nur noch Werktags und Samstag-vormittag. Zwischen Samstag-Mittag und Montag-Morgen herrschte Betriebsruhe. Der Personenverkehr auf der 25,5 km langen Strecke Neumünster-Ascheberg wurde am 28.9.1985 eingestellt. Güterverkehr fand danach nur noch selten statt. Die Gesamtstillegung erfolgte im November 1995. Wegen des Engpasses der originalen Bahnbrücke über die Strasse Ascheberg-Kiel (einspurige Strassenunterquerung) wurde diese Brücke 1996 entfernt, so dass seitdem die Gleisverbindung Neumünster-Ascheberg am Ortseingang Ascheberg endet. Die Gleise im Bahnhof Ascheberg sind im Zuge der dortigen Bahnhofsneugestaltung ebenfalls entfernt worden.

Der letzte Personenzug auf dieser Strecke fuhr 1996 als Sonderfahrt eines Talent-VT bis kurz vor Ascheberg. Der (aller)letzte Güterzug war ein Kesselwagen-Transport 1997 zu Übungszwecken auf Anforderung der Feuerwehr in Wankendorf. Da die Bahntrasse in einem Trassensicherungsvertrag zwischen dem Land Schleswig-Holstein und der DBAG enthalten ist durfte sie trotz Stillegung nicht entwidmet werden. Die Trasse wurde zuletzt 1997 in Privatinitiative von ihrem Bewuchs freigeschnitten, seitdem erobert die Natur jedoch sukzessive die Bahngleise zurück.

Die Einstellung der Bahnstrecke Neumünster-Ascheberg war Anfang der 80er nicht unumstritten. Die Gleise befanden sich in einem vergleichsweise sehr guten Zustand, so dass eine Geschwindigkeit von 100 km/h zugelassen war. Der grösste Teil des laufenden Defizits ergab sich aus der Bedienung der Bahnhöfe Bokhorst und Wankendorf (was die Betriebsruhe am Wochenende mit veranlasste). Eine Berechnung ergab, dass bei konsequenter Rationalisierung (Automatisierung der Schrankenanlagen Neumünster Kieler-Strasse, Bokhorst und Ascheberg) die Bahnstrecke zu 40% der Kosten hätte betrieben werden können, welche damals bei der Bundesbahn anfielen. Hier zeigten sich die Folgen der jahr(zehnt)elangen Versäumnisse bei Rationalisierungsinvestitionen seitens der Bundesbahn vor allem bei Nebenbahnen im Land. Negativ zu Buche schlug allerdings auch der lokbespannte Betrieb (212 mit Silberlingen als Wendezug). Die Bundesbahn verfügte damals nicht über ausreichend kostengünstige Leichttriebwagen und arbeitete aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen auf eine Stillegung hin.

Versuche diese Bahnstrecke in anderer Form weiterzubetreiben (Stichwort Holsteinische Eisenbahn) fehlte damals der notwendige Rückhalt sowohl von Seiten der damaligen DB (Verkauf der Strecke Neumünster-Ascheberg - die DB forderte einen Betrag von 2,8 Millionen DM für die Bahnstrecke bzw. 3.3 Millionen DM für die Bahnstrecke inklusive der Immobilien - obwohl nach der Stillegung dann letztlich nur ein geringer Erlös erzielt wurde) wie auch des Kreises Plön, welcher den Busersatzverkehr durch die Verkehrsbetriebe des Kreises Plön bevorzugte. Die Geschichte der Stillegung der Bahnstrecke Neumünster-Ascheberg ist ein gutes Beispiel für die Schwierigkeiten, die einem regional geführten Betrieb von ehemaligen Bundesbahnstrecken damals entgegenstanden. Die alleinige finanzielle Verantwortung des Bundes für den Betrieb der bundeseigenen Eisenbahnen und befristet auch für die Finanzierung des Busersatzverkehrs nach Stillegungen verhinderte letztlich, dass andere Körperschaften (Land, Kreis, Kommunen) selbst einen deutlich wirtschaftlicheren Betrieb in Eigenregie eingingen, einfach weil die laufenden Defizite allein von diesen hätten getragen werden müssen. Erst die Bahnreform in den 90'er Jahren brachte hier wichtige Änderungen, für die Bahnstrecke Neumünster-Ascheberg war dieses jedoch zu spät.

Der damalige gute Zustand des Oberbaus ist selbst heute nach fast 20'ig-jährigem Bewuchs nachzuvollziehen. Trotz der bahnfreundlichen Politik in Schleswig-Holstein nach der Bahnreform ist eine Wiederinbetriebnahme der Strecke Neumünster-Ascheberg nicht vorgesehen. Das Fahrgastpotential ist vermutlich zu gering, auch weil die Strecke zwischen ihren Endpunkten nur sehr kleine Orte erfasst und der reine Zubringerverkehr zwischen Plön/Ascheberg und Neumünster ein zu geringes Fahrgastpotential erwarten lässt um Investitionen in eine Re-Aktivierung wirtschaftlich tragbar erscheinen zu lassen.

Nachdem der Trassensicherungsvertrag zwischen dem Land Schleswig-Holstein und DB-Netz ausgelaufen ist wurde dieser durch das Land nicht verlängert. Mehrere Brücken bei Ascheberg wurden demontiert. Im Juni 2009 hat DB-Netz ein Entwidmungsverfahren nach §23 Allgemeines Eisenbahngesetz (AEG) eingeleitet und Verträge zum Verkauf der Trasse im wesentlichen an Anlieger (Landwirtschaftsbetriebe) geschlossen. Als letzten Versuch zur Sicherung der Bahntrasse auch ohne vom Land bestellten Nahverkehr führten interessierte Einzelpersonen 2009 mehrere Gesprächsrunden durch aus denen heraus der Förderverein Ostholsteinbahn e.V. gegründet wurde. Dieser Förderverein ist auch Träger einer von Anliegerkommunen bezuschussten Perspektivstudie welche 2010 fertiggestellt werden soll. Der Verein ist über diese Webseite zu erreichen.




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Die Verhältnisse Anfang der 80'er Jahre (Bundesbahnära vor der Bahnreform) müssen auch bei dem hier in Auszügen wiedergegebenen Artikel aus 'Die Zeit' vom 4.10.1985 bedacht werden, in dem es um die Situation von Bundesbahn-Nebenstrecken und speziell auch um Neumünster-Ascheberg ging:

Ulrich Stock in 'Die Zeit' vom 4.10.1985:

Seit 1960 hat die Deutsche Bundesbahn auf 419 Nebenstrecken den Personenzugverkehr eingestellt. Sie will ihr Defizit verringern, das allein im vergangenen Jahr 3.12 Milliarden Mark betrug. [...] "Wie sich die Bahn ihren typischen Nebenstreckenkunden vorstellt", beschrieb Nebenstreckenkunde Bernward Pohlmann aus Arolsen in einem Brief an die ZEIT: "Unabdingbar ist jene tibetanische Gelassenheit, die fehlende Anschlüsse und Umwege mühelos hinnehmen lässt. Der Kunde darf auch keiner geregelten Arbeit nachgehen wollen und muss zugleich Frühaufsteher sein. Prädestiniert sind Pensionäre oder andere Leute mit grenzenloser Freiheit".
Zur Illustration dieser Definition einige Beispiele aus Schleswig-Holstein:
  • Anderthalb bis zwei Stunden braucht man für die sechzig Kilometer lange Strecke von Neumünster nach Heide, weil die Bahn die Gleise verrotten lässt und Uralt-Schienenbusse einseetzt. [...] Einziger Grund einzusteigen: Der Bus ist noch länger unterwegs.
  • [...]
  • Lange Zeit gut befahren war die Strecke von Neumünster nach Bad Segeberg. Bis der Fahrplan geändert wurde: Der Zug fuhr morgens nun 20 Minuten später, zu spät für die Pendler. "Die 20 Minuten stand der Zug in Neumünster auf dem Bahnhof", erinnert sich ein Lokführer, "und keiner wusste warum. Da haben wir auch gemeckert". Zwecklos. Vor einem Jahr wurde die Strecke stillgelegt.
  • [...]
  • Die komplizierten Öffnungszeiten des Wankendorfer Bahnhofs waren zuletzt mit Filzstift auf die Eingangstür gekrakelt. Die Schalterhalle: fahl und düster. Neben dem Fahrplan wies eine gelbe Photokopie die "verehrten Fahrgäste" darauf hin, dass der Zug zwischen Neumünster und Ascheberg vom 29. September an nun gar nicht mehr fährt. [...]
  • Heinz Marquard fährt nun seit neunzehn Jahren mit der Bahn morgens von Malente die 42 Kilometer zur Arbeit nach Neumünster. "Warum fährt der Zug nicht mehr?" fragt er. "Der war doch morgens immer voll!". Dass bei der Bahn mit anderen Masstäben gemessen wird, weiss er wohl: Jahrelang musste er beim Umsteigen in Ascheberg 25 Minuten warten, weil der Anschlusszug fahrplanmässig gerade abgefahren war.
Die Liste grotesker Beispiele liesse sich verlängern. Die Frage ist: Muss das alles so sein ? Muss das Angebot der öffentlichen Verkehrsmittel auf dem Land immer lächerlicher werden ? Stimmen dagegen gibt es genug. Betrachten wir die Strecke Neumünster-Ascheberg, auf der am vergangenen Sonnabend der letzte Personenzug abfuhr.
Seit zehn Jahren wird von ihrer Stillegung geredet. Als die Bahn 1982 das "Verfahren zur Einstellung des Reisezugbetriebes" offiziell einleitete, gab sie als Grund an: Um 45 Prozent sei die Zahl der Fahrgäste von 1976 bis 1981 zurückgegangen. Die CDU der Stadt Wankendorf glaubte nicht an den Schwund. Sie zählte drei Wochen lang selbst. Ergebnis: Der Rückgang betrug nur fünf bis acht Prozent, täglich waren immer noch 700 Reisende auf der 23 Kilometer langen Strecke unterwegs. Fazit der CDU: "Es werden der Öffentlichkeit bewusst falsche Zahlen geliefert."
Die CDU schlug vor, die Strecke nicht stillzulegen, sondern das Angebot endlich dem Bedarf anzupassen: Beschränkung auf Schüler- und Berufsverkehr, Einsatz energiegünstiger Triebwagen statt teurer Hochgeschwindigkeitsloks, Personaleinsparungen durch Fahrkarstenausgabe im Zug. Dies Vorschläge hatte man der Bahn allerdings schon fünf Jahre zuvor unterbreitet - es geschah nichts, nur wurde sonntags der Zugverkehr eingestellt. "Die Bundesbahn", konstatierte die CDU, "hat augenscheinlich durch Herabsetzung der Attraktivität selbst für eine Unwirtschaftlichkeit gesorgt."
Gemeinden wehren sich stets sehr lautstark gegen Stillegungen. Nichts ist für kleine Dörfer und Städte billiger als die Bundesbahn - denn die fährt ja ohne fremdes Zutun. Das Defizit örtlichen Busverkehrs dagegen lastet auf den Kommunen. So beschwor Claus Hopp, Präsident des Kreises Plön, durch den die Ascheberger Strecke führt, noch vor drei Jahren "enorme Nachteile" durch eine Stillegung, "die auf Generationen hinaus nicht mehr gutzumachen sind". Und noch vor einem Jahr sagte er: "Unser Widerstand gegen diese Pläne ist nach wie vor ungebrochen."
Heute hört es sich ganz anders an: "Wann fahren die Busse endlich ?" würden ihn die Leute dauernd fragen. Der plötzliche Sinneswandel hat seinen Grund: Die Bundesbahn hat die kreiseigene Busgesellschaft mit dem Schienenersatzverkehr beauftragt - und übernimmt das Defizit. Jetzt, freut sich Hopp, hätte man ja auch Einfluss auf die Fahrpläne, was bei der Bahn nie der Fall gewesen sei.
Es könnte sein, dass seine gute Laune nicht lange währt. Während Hopp nämlich davon ausgeht, die Bahn habe nach einem im Juni mit dem Land geschlossenen Vertrag die Verpflichtung übernommen, zehn Jahre lang die Kosten aller Schienenersatzverkehre zu tragen, kann der Rationalisierungsderzenent bei der Bundesbahn in Hamburg, Wolf-Dieter Sockel, darüber nur herzhaft lachen. Drei bis vier Jahre kämen "maximal" in Frage, die Bahn wolle das Defizit ja gerade loswerden, und die finanzielle Stützung des Busunternehmens sei nur für den Übergang gedacht, "bis sich das selber trägt". Man wisse ja nicht, wie viele Bahnkunden tatsächlich auf den Bus umsteigen; nach Untersuchungen des Bundesministeriums für Raumordnung sind es in solchen Fällen nur fünzig Prozent.
[...]
[...] Idee: Regelmässiger Verkehr auch in der Fläche, Personaleinsparung durch Ein-Mann-Triebwagen, automatisierte Bahnübergänge, [...]. Obwohl 89 Prozent mehr Züge fahren sollen als bisher, kalkulieren sie eine Kostendeckung - bei heutigen Fahrgastzahlen - von 79 Prozent. Errechnetes Jahresdefizit für die Strecke Neumünster-Ascheberg: 285000 Mark.
[...]
Die Bahn bot statt dessen dem Verein die Ascheberger Strecke zum Kauf an: drei Bahnhöfe, sieben Brücken und elf vollgesicherte Übergänge mit Blinklichtanlagen sowie sehr gut erhaltene Gleise - alles inklusive für 3,3 Millionen Mark. Das Wirtschaftsministerium in Kiel hat zwar die Ansätze geprüft und im grossen und ganzen für gut befunden. Nur einige Posten - vor allem die Wiederbeschaffung von Neufahrzeugen - wurden an Bundesbahnkriterien gemessen und als zu niedrig angesehen. Und es wurde bezweifelt, dass Kunden aus dem Auto zurück auf die Schiene zu locken seien - was man ja auf einen Versuch hätte ankommen lassen können. Doch das Konzept wurde abgelehnt, weil es das für die heutige Misere verantwortliche Schubladendenken sprengt. Das Land weigerte sich kategorisch, geringe finanzielle Verpflichtungen zu übernehmen, weil Bahn Sache des Bundes sei. Aus Bonn erhielten die Privatbahner zwar grünes Licht, aber kein Geld.
[...]
Statt dessen hat sich Kreispräsident Hopp in der Zeitung schon "für einen Ausbau der Strassenverbindungen Ascheberg-Wankendorf-Neumünster" stark gemacht, "um bessere Verbindungswege für die als Bahnersatz eingesetzten Busse zu schaffen". [...] 566 Millionen Mark stehen allein in diesem Jahr dafür zur Verfügung.

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