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Historische Übersicht Kiel-Flensburg
Die Eisenbahnstrecke Kiel-Flensburg wurde 1881 von der
Kiel-Eckernförde-Flensburger Eisenbahn Gesellschaft erbaut
und am 21.12.1881 auf ganzer Länge eröffnet.
Die Bahnstrecke wurde 1903 verstaatlicht. Die Bahnstrecke
ist durchgängig eingleisig und führt von Kiel aus durch die
Landschaft 'Dänischer Wohld' (Dänischer Wald) nach Eckernförde.
Von Eckernförde aus durch die Landschaft 'Schwansen', überquert
dann bei Lindaunis die 'Schlei' und quert schliesslich die Landschaft
'Angeln' bis nach Flensburg. Die Fahrt mit der Bahn führt damit
durch teilweise sehr reizvolle Landschaften. In Flensburg hatte diese Bahn
zunächst einen eigenen Bahnhof auf der Ostseite des Innenhafens,
mit einem Übergabegleis an den kurz davor liegenden früheren
Bahnhof der Bahnstrecke Flensburg-Tönning. Die Anfahrt zum
Flensburger Hafen führte ziemlich genau entlang der heutigen
Bundesstrasse von Flensburg-Hafen nach Kappeln aus der Stadt
heraus.
1927 wurde in Flensburg ein neuer Staatsbahnhof
in Betrieb genommen. Dieser liegt etwa 2km südlich des Hafens
bzw. Stadtzentrums. Die Kiel-Flensburger Bahnstrecke erhielt
deshalb eine neue Einfädelung an diesen neuen Flensburger
Bahnhof. Dieses erklärt die S-Kurve welche die Bahnstrecke
kurz vor dem Flensburger Hauptbahnhof nimmt - die ursprüngliche
Strecke führte relativ gerade aus weiter in Richtung Flensburger
Hafen. Nachdem der Flensburger Hauptbahnhof einiges von seiner
früheren Bedeutung verloren hat wurden Überlegungen angestellt,
diesen wieder an seinen ursprünglichen Standort am Hafen und
damit verkehrsgünstig im Zentrum der Stadt zu verlegen. Diese
Überlegungen sind nicht abgeschlossen, eine Verlegung wäre
aber sicher sehr sinnvoll.
Während der Bundesbahnzeit verkehrten auf der Bahnstrecke von
Flensburg nach Kiel sowohl Diesel-VT wie auch Lokbespannte
Züge. Wegen nachlassender Nachfrage wurden u.a. die Bahnhöfe
in Maasbüll (zwischen Flensburg und Husby), Fahrtoft (bei
Lindaunis) sowie Kiel-Suchsdorf, Kiel-Kronshagen und Kiel-Hassee
im Personenverkehr nicht mehr bedient. Ausserdem wurde die
Zahl der Züge reduziert, indem insbesondere die Früh- und
Spätverbindungen ganz gestrichen bzw. nur auf Teilstrecken
(Rieseby-Kiel, Eckernförde-Kiel) reduziert wurden. Auf dem
Teilstück Eckernförde-Kiel wurde von der DB-Tochter Autokraft
ein paralleler Busbetrieb betrieben. All diese Massnahmen
hatten als direkte Folge, dass die Zahl der Fahrgäste weiter
abnahm. Diese Einsparmassnahmen waren aus heutiger Sicht
teilweise kurios - so verfolgte die Bundesbahn einmal die
Einstellung der Halte in Winderatt bei Sörup mit der
Begründung, dadurch liessen sich 5 DM Spritkosten täglich
einsparen. Bei der DB gab es auch Überlegungen den
Streckenteil von Flensburg bis Eckernförde komplett
stillzulegen - dieses hätte absehbar später auch dem
Streckenabschnitt von Eckernförde nach Kiel dem Ende
näher gebracht. Umgekehrt unterblieben notwendige
Investitionen in die Strecke - die aufgelassenen
Personenhalte in Maasbüll und Fahrtoft bspw. machten
das dortige Personal nicht überflüssig, da dort weiterhin
manuell Schranken bedient werden mussten.
Eine Wende trat Ende der 80er Jahre ein, als auf dieser
Strecke in Zusammenarbeit mit dem Land Schleswig-Holstein
die sog. Regionalschnellbahn eingerichtet wurde. Als
Fahrzeuge wurden die damals neuen VT628 eingesetzt, wobei
das Zugbegleitpersonal eingespart werden konnte.
Der Fahrplan wurde auf einen angenäherten Stundentakt
geändert und die Zahl der Züge deutlich erhöht, so dass
auch wieder Früh- und Spätverbindungen möglich waren.
Gleichzeitig wurden als Massnahme zur Verkürzung der
Reisezeiten die Bahnhöfe/Halte in Husby, Winderatt, Mohrkirch,
Lindaunis, Altenhof und Neuwittenbek aufgegeben.
Der Busverkehr wurde teilweise so umgestellt, dass er
als Zubringerverkehr zur Bahn funktionierte. Unter
Beteiligung der Kommunen wurden die verbliebenen
Bahnhöfe renoviert, wobei sowohl die Busverknüpfung
wie auch Park+Ride Parkplätze geschaffen wurden.
Alle Massnahmen zusammen brachten den erhofften
Zuwachs im Personenverkehrsaufkommen. Dennoch hatte
die Bundesbahn sich die Möglichkeit offengehalten, die
Bahnstrecke nach Ablauf von 5 Jahren (Flensburg-Eckernförde)
bzw. 10 Jahren (Gesamtstrecke) einzustellen.
Nach Eckernförde (und früher auch nach Süderbrarup) wurden
bis in die 80er Jahre vereinzelte D-Züge bzw. InterCity-Züge
durchgebunden. Diese dienten dem Transport von Wehrdienstleistenden
in Eckernförde, Süderbrarup und Kappeln. Nach der deutschen Einheit
und der Reduzierung der Bundeswehrtätigkeiten an diesen Standorten
wurden diese Verbindungen in den 90er Jahren eingestellt.
Während die aufgelassenen Halte in den folgenden Jahren
ihre zunächst gute Busanbindung an den nächsten Bahnhof
mangels Nachfrage teilweise wieder verloren, ergab sich
aus den Folgen der Bahnreform in den 90er Jahren für die
Bahnstrecke Flensburg-Kiel ein neuer Aufschwung. Der
Taktverkehr wurde noch einmal erweitert, so dass heute
soviele Zugverbindungen wie nie zuvor auf dieser Bahnstrecke
bestehen - auch am frühen Morgen und am späten Abend. In den
Hauptverkehrszeiten wird der stündliche Takt wegen der
gestiegenen Nachfrage zwischen Eckernförde und Kiel und morgens auch
zwischen Süderbrarup und Flensburg sogar
teilweise auf einen Halbstundentakt verdichtet. Teilweise
werden auch die durchgehenden Züge in Doppeltraktion
gefahren. Der Betrieb wird durch die Regionalbahn Schleswig-Holstein
durchgeführt, einem Tochterunternehmen der DB AG. Nach entsprechenden
Untersuchungen durch die LVS-SH
wurden die stillgelegten Halte in Husby und in Kiel-Suchsdorf
Anfang dieses Jahrtausends wieder hergestellt (moderne Hochbahnsteige)
und seitdem wieder im Personenverkehr bedient. Ausserdem wurde
an einigen Stellen die Streckenhöchstgeschwindigkeit von ehemals
80 km/h auf bis zu 120 km/h erhöht sowie Langsamfahrstellen durch
Sanierungsarbeiten (Sörup) aufgehoben. Diese Baumassnahmen
ermöglichten einen wirtschaftlichen Umlauf der heute eingesetzten
Triebwagen. Die lange fehlenden Investitionen
der DB in die Strecke (alte Sicherungs- und Signaltechnik) hatten
auch ihre positive Seite - auf der Strecke bestehen trotz Aufhebung
etwa in Husby, Mohrkirch und Rieseby weiterhin
etliche Kreuzungsmöglichkeiten, was diese verdichteten Taktverkehre
erst ermöglicht bzw. Verspätungen noch einigermassen handhabbar
bleiben lassen. DB-Netz hat in den letzten Jahren einige
Schrankenposten durch auf die Dauer kostengünstigere automatische
Schranken- bzw. Blinklichtanlagen ersetzt (Maasbüll, Husby,
Mohrkirch, Fahrtoft, Lindaunis). Im Jahr 2007
wird in Lindaunis (Schleibrücke) ein ESTW-R gebaut über
welches der Streckenabschnitt zwischen Husby und Eckernförde
gesteuert werden soll. Damit werden auch in Sörup und
Süderbrarup die bisherigen Personalbedienten örtlichen
Stellwerke abgelöst.
Trotz der erfreulichen stetigen Zunahme der Verkehrszahlen durch
das heute sehr gute Angebot und die umgesetzte Verknüpfung mit
dem Busverkehr muss aber auch festgestellt werden, dass teilweise
der Service durch die DB reduziert wurde. So wurden an mehreren
Bahnhöfen die Fahrkartenschalter geschlossen - ursprünglich hatte
das örtliche Personal sowohl Fahrkarten verkauft wie die
Fahrdiensttätigkeiten durchgeführt. Heute gehören diese
Tätigkeiten zu verschiedenen DB-Tochterfirmen, welche sich ihre
Arbeiten untereinander in Rechnung stellen. Obwohl dadurch kein
Personal eingespart wurde (Ausnahme Eckernförde), wurden der
persönliche Fahrkartenverkauf weitgehend eingestellt.
Problematisch könnten eines Tages auch die Brücken über die
Schlei bei Lindaunis sowie die Kanal-Brücke bei Kiel werden,
welche in absehbarer Zeit erneuert werden müssen. Während die
Kanal-Brücke von der Wasser- und Schiffahrtsdirektion unterhalten
werden muss, trägt die DB die Kosten für die Schleibrücke bei
Lindaunis.
Güterverkehr findet zwischen Flensburg und Kiel nach dem Rückzug
der DB aus Schleswig-Holstein leider nicht mehr statt - eine Ausnahme
ist das Streckenteilstück bei Kiel wegen des Gleisanschlusses zu
Vossloh bei Neuwittenbek. Der letzte
Güterverkehr wurde bis 2003 von der NVAG zum Cremilk-Werk in
Kappeln (über Flensburg Süderbrarup Kappeln) durchgeführt, wobei
diese Fahrten einige Zeit von der Angeln-Bahn geleistet wurden.
Nach der Insolvenz der NVAG in 2003 wurden diese Fahrten eingestellt.
DB-Cargo fuhr kurzfristig den Verkehr weiter, mittlerweile wurde dieser
einzig verbliebene Güterkunde jedoch zur Verkehrsverlagerung auf LKW
gedrängt. Bemühungen der DB um vereinzelt vorhandene potentielle
Güterkunden sind in den letzten 30 Jahren nicht bekannt geworden, die
letzten vorhandenen Anschlussgleise sind heute demontiert (letzte
Ausnahme sind Kreisbahngleise in Süderbrarup, aber auch hier
findet kein Güterverkehr mehr statt, s.o.).
8.11.2006 - Pressemitteilung DBAG: Startschuss für den Bau des ESTW Lindaunis
Am 08.11.06 gaben Dietrich Austermann, Minister für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr
des Landes Schleswig-Holstein, Dagmar Haase, Vorstand Marketing/Vertrieb der DB Netz AG
und die Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn AG für die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein,
Ute Plambeck den Startschuss für den Bau des neuen Elektronischen Stellwerkes Regional (ESTW-R)
Lindaunis in Eckernförde.
Das neue ESTW-R steuert künftig im Regionalnetz Nord-Ostsee den rund 50 Kilometer langen
Streckenabschnitt zwischen Eckernförde und Flensburg. Die Bedienung aller Signalanlagen und der
Klappbrücke über die Schlei sowie die Überwachung der Bahnübergänge erfolgt von der neuen
Bedienzentrale Eckernförde aus. Das neue ESTW-R, das von der Firma Vossloh Information Technologies
aus Kiel erstellt wird, ersetzt fünf alte Stellwerke, von denen das älteste aus dem Jahr 1905 stammt.
Die alten Signalanlagen werden durch moderne und innovative Technik ersetzt. So werden u. a. durch
den Einsatz von wartungsarmen LED-Signalen hier kommen Leuchtdioden statt der herkömmlichen
Glühlampen zum Einsatz die Instandhaltungskosten gesenkt. Dadurch wird ein weiterer Beitrag zur
wirtschaftlichen Realisierung und Vorhaltung der Infrastruktur in den Regionalnetzen geleistet.
Dieses Projekt dient als Pilotprojekt und basiert auf einer standardisierten Low-Cost-Technik,
die eigens für die Anforderungen regionaler Infrastruktur entwickelt wurde und eine sehr effiziente
Betriebsführung erlaubt.
Die 19 Millionen Euro für das neue elektronische Stellwerk in Lindaunis sind gut investiertes Geld.
Die Regionalnetze, also die Infrastruktur in der Fläche, und deren Modernisierung sind für die Bahn
von zentraler Bedeutung, erläutert Dagmar Haase: Wir haben bundesweit in den letzten fünf Jahren
über 600 Millionen Euro jährlich in unsere Regionalnetze investiert. Minister Austermann: Wir
freuen uns, dass in diesem High-Tech-Segment mit der Firma Vossloh ein Betrieb aus Schleswig-Holstein
den Auftrag für das neue Elektronische Stellwerk erhalten hat. Darin liegt zugleich die Chance,
bei einer Fülle weiterer Vorhaben der Deutschen Bahn AG zum Zuge zu kommen und Arbeitsplätze in Kiel
sowie der gesamten Region zu schaffen. Lindaunis könnte ein Musterbeispiel für neuartige
Verkehrsleitsysteme werden. Wir sind froh, dass die Bahn derzeit so engagiert Investitionen in
Schleswig-Holstein vornimmt.
Durch den Bau des neuen ESTW-R werden vielfältige Maßnahmen in Angriff genommen, so erhält der neue
Bahnübergang in Süderbrarup Halbschranken mit Lichtzeichenanlage (Ampel gelb/rot). Im Bahnhof
Eckernförde werden die Übergänge zwischen den Bahnsteigen durch automatische Schranken gesichert.
Hier wird es auch künftig drei Gleise für den Zugbetrieb geben. Am Gleis 3 werden die in Eckernförde
beginnenden und endenden Züge halten. Im Zusammenhang mit dem Bau des ESTW Lindaunis wird auch der
Bahnhof Süderbrarup umgestaltet. Hier wird ein neuer Außenbahnsteig gebaut, der über einen
schrankengesicherten Übergang für die Reisenden zu erreichen ist. Nicht mehr benötigte Anlagen im
Bereich der DB AG werden abgebaut. Die eingleisige Strecke zwischen Kiel und Flensburg wird täglich
von 62 Reisezügen befahren. Die Maximalgeschwindigkeit beträgt 120 km/h.
(Pressemeldung Deutsche Bahn, 09.11.06)
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