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Historische Übersicht Husum - St.Peter-Ording

Die heutige Bahnstrecke Husum-Tönning-St.Peter-Ording ist in ihrem östlichen Teil (Husum-Tönning) eine der ältesten Bahnstrecken in Schleswig-Holstein. Ihr Bau ist nur zu verstehen, wenn man sich die Verhältnisse Mitte des 19'en Jahrhunderts vergegenwärtigt: Das Land gehörte damals zu Dänemark. Flensburg war neben Kopenhagen der wichtigste dänische Hafen, und Tönning ein wichtiger Hafen für die Handelsbeziehungen zu England (etwa das, was heute Esbjerg in Jütland für Dänemark ist). Bereits 1840 wurde mit den Vermessungsarbeiten für eine Bahnstrecke von Flensburg (über Ohrstedt und Husum) nach Tönning begonnen, der Bau selbst erfolgte ab 1852 durch die Baufirma des englischen Eisenbahnkonzessionärs Samuel Morton Peto, Betreiber war die Flensburg-Husum-Tönniger Eisenbahn Gesellschaft. In Oster-Ohrstedt (an der heutigen Bahnstrecke zwischen Husum und Jübek) wurde eine Abzweigung über Klosterkrug bei Schleswig nach Rendsburg errichtet. Die Bahnstrecke von Flensburg nach Tönning erhielt den Namen Frederik VII. Südschleswigsche- Eisenbahn und im Oktober 1854 durch den dänischen König eingeweiht.

Hauptzweck der Bahn sollte insbesondere die Viehverladung für den Export nach England sein. Die Bahn endete dementsprechend am Eiderhafen in Tönning. Diesen Zweck konnte die Bahn jedoch nicht sehr lange erfüllen - zum einen weil der englische Viehimport aus Dänemark zugunsten der englischen Kolonien zurückgefahren und letztlich ganz eingestellt wurde, zum anderen wegen des deutsch-dänischen Krieges. Schleswig fiel an die Preussen. Die geänderten Verkehrsströme reduzierten die Tönninger Eisenbahn zunehmend zum Zubringer- und Erschliessungsverkehr, wichtig wurden die Nord-Süd Achsen (Hamburg-Flensburg und die sog. Marschbahn an der schleswig-holsteinischen Westküste). Als Folge des deutsch-dänischen Krieges wurde die Flensburg-Husum-Tönniger Eisenbahn Gesellschaft 1865 Teil der Schleswigschen Eisenbahn AG, die selbst 1884 verstaatlicht wurde.

Dreissig Jahre später wurde die Bahnstrecke von Tönning aus bis nach Garding verlängert, 1892 erfolgte die Eröffnung. Erst in den 20'er Jahren des 20'en Jahrhunderts wurde die Weiterführung über Garding hinaus bis zum heutigen Endpunkt in St.Peter-Ording beschlossen. Dieses letzte Teilstück wurde schliesslich 1932 in Betrieb genommen. Die grossen Zeitspannen zwischen den Inbetriebnahmen der einzelnen Streckenteile lässt sich sehr gut an einigen Gebäuden ersehen. Während der frühere Güterschuppen in Tönning Ähnlichkeiten mit dem alten Bahnhof in Oster-Ohrstedt hat (Bau Mitte des 19'en Jahrhunderts), entsprechen die Bahnhofsgebäude in St.Peter-Ort (heute -Süd) und St.Peter-Ording dem sog. Grenzlandstil, in dem zahlreiche öffentliche Gebäude im Norden Schleswig-Holsteins nach der deutsch-dänischen Volksabstimmung erbaut wurden (Bahnhöfe in Flensburg, Husum) wie auch Gebäude entlang der verlegten Marschbahntrasse (Kanalbrücke) in den 20'er Jahren.

Noch heute stammt auch ein Grossteil des Oberbaus fast unverändert aus den jeweiligen Bauphasen. Je nach Standpunkt lässt sich das für eine Folge des stabilen Baus unserer Ahnen ansehen oder als Vernachlässigung durch die spätere Bundesbahn bzw. DBAG. Die Bundesbahn setzte auf der Bahnstrecke von Husum nach St.Peter-Ording später fast nur noch Schienenbusse ein, es gab nur relativ wenige Verbindungen und so gut wie keine Investitionen. Ein Zeugnis des Zustandes zu Bundesbahn-Zeiten sind die bis heute oft noch stehenden Telegraphenmasten im westlichen Streckenteil zwischen Tönning und St.Peter, die Strecke wurde auf Verschleiss gefahren. Entsprechend war diese Bahnstrecke immer wieder ein Kandidat für eine Streckeneinstellung durch die Bundesbahn. Erst in Folge der Regionalisierung des Bahnverkehrs im Zuge der Bahnreform ergaben neue Chancen für diese Bahnstrecke. Das Land Schleswig-Holstein hat den Verkehr in einem Ausschreibungsverfahren an die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) vergeben, welche auch den Verkehr auf der Bahnstrecke von Husum nach Kiel und ab Ende 2005 den Verkehr auf der Marschbahn durchführt. Es wurde vom Land ein durchgehender Stundentakt mit Verbindingungen ab dem frühen Morgen bis nach Mitternacht bestellt. Entsprechend des stark ausgebauten Angebots sind die Fahrgastzahlen wieder deutlich gestiegen. Auch im Ausflugsverkehr an den Nordseestrand von St.Peter-Ording ist die Bahn jetzt wieder gut genutzt.

Güterverkehr findet auf der Bahnstrecke seit längerem nicht mehr statt. Die ehemaligen Verladegleise in St.Peter-Ording, Tating und Garding wurden entfernt - nur in Tönning sind noch Reste der Gütergleise vorhanden. Die gesamte Bahnstrecke besteht heute aus zwei Streckenblöcken, Zugkreuzungen finden im Kopfbahnhof von Tönning statt, welcher als einziger noch mit Personal besetzt ist. Da nur in Tönning Kreuzungen möglich sind und die Fahrzeit für jeden der beiden Streckenhälften knapp eine halbe Stunde beträgt sind keine Sonderverkehre möglich, die Bahnstrecke ist damit 20 Stunden täglich vollständig ausgelastet.


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