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Bahnstrecke Husum - Bad St.Peter-Ording
Die Bahnstrecke Husum - Bad St.Peter-Ording ist eine eingleisige Nebenbahn
und führt von Husum aus durch Eiderstedt über Tönning fast direkt an den
Nordseestrand von Bad St.Peter-Ording. Der erste Teil der Bahn ist eine
der ältesten Bahnstrecken in Norddeutschland überhaupt. Infrastrukturbetreiber ist DB-Netz.
Der Verkehr wird von der Nord-Ostsee-Bahn mit Dieseltriebwagen abgewickelt.
Von Husum aus wird zunächst ein Stück auf der sog. Marschbahn in Richtung
Süden gefahren; die Bahnstrecke nach Tönning zweigt nach einigen Kilometern
in westlicher Richtung ab und führt dann durch endlos erscheinendes flaches
Eiderstedter Land zunächst nach Tönning an der Eider.
Der Bahnhof Tönning ist ein Kopfbahnhof. Sowohl der Streckenast
von Husum wie auch der von St.Peter-Ording erreichen Tönning von Norden her.
In Tönning kreuzen sich stündlich
die Züge nach Husum bzw. St.Peter-Ording. Die Bahnstrecke besteht dementsprechend
aus zwei Streckenblöcken; bis auf Tönning sind sämtliche sonstigen Bahnhöfe
unbesetzt.
Diese einst stark stillegungsgefährdete Bundesbahnstrecke hat seit einigen
Jahren nach massiven Angebotsverbesserungen (Stundentakt bis in die Nacht)
wieder erheblich an Bedeutung im Reiseverkehr gewonnen. Die Bahnstrecke
dient sowohl regionalen Verkehrsbedürfnissen (insbesondere Berufs- und
Schülerverkehr) wie auch als Zubringer zum bekannten Nordseebad St.Peter-Ording.
Vom Endhaltepunkt St.Peter-Ording lässt sich der bekannte Nordseestrand leicht
auch direkt zu Fuss erreichen.
Der Bahnhof Husum sowie die Abzweigestelle Hörn sind bereits im Bericht über
die sog. Marschbahn
dokumentiert. Die Darstellung beginnt daher von Husum aus hinter dem Abzweig
Hörn mit dem Bedarfshalt Witzwort.
Ein interessantes Detail: Selbst für Bedarfshaltestellen hat DB Station+Service
jeweils eigene Abfahrtspläne gedruckt - obwohl auch die NOB welche die Strecke
mit ihren Fahrzeugen bedient eigene Aushänge hat:
Weiter geht die Fahrt geradeaus durch flachstes Land zum nächsten Halt in Harblek .
Hier stehen immerhin schon zwei Häuser, das ist eine Steigerung der Besiedlungsdichte
am Bahnhof von 100%. Wie Witzwort so ist Harblek aber eher ein Halt für ein in der Nähe
gelegenes Dorf.
Auf dem platten Land ist die Bahn etwas wählerisch was die Fahrgäste angeht. Nur
wenn man freundlich auf sich aufmerksam macht legt der Triebwagen einen kurzen
Halt ein - angesichts der geringen Bevölkerungsdichte und der guten Fernsicht
sind Bedarfshalte hier sinnvolle Einrichtungen:
Schliesslich wird von Nordosten her Tönning erreicht. Am nördlichen Ende des
Bahnhofs treffen die beiden Gleise nach Husum und nach St.Peter-Ording aufeinander;
Tönning war ursprünglich das Ende der Bahnstrecke von Flensburg-Ohrstedt-Husum-Tönning.
Die Verlängerung nach Garding (und erst Ende der 20'er Jahre nach St.Peter-Ording) wurde
erst sehr viel später gebaut, daher
der 'Kopfbahnhof' in Tönning. Es gab vor einigen Jahren Überlegungen den Bahnhof
Tönning etwas nördlich zu verlegen und somit den Kopfbahnhof durch eine direkte
Kurvenverbindung mit Bahnsteig zu ersetzen - daraus ist vermutlich aus Kostengründen
und wegen der Topografie bislang nichts geworden. Hier treffen stündlich die beiden
Triebwagen am Bahnsteig aufeinander:
Die Weichenanlage bedingt, dass immer nur ein Zug zur Zeit in den Bahnhof einfahren
kann. Hier verlässt als erstes der Zug nach St.Peter-Ording wieder den Kreuzungsbahnhof.
Rechts das heutige Bahnhofsgebäude von Tönning in welchem auch sozusagen das Stellwerk
untergebracht ist:
Wer vom Bahnsteig in Richtung Süden sieht fragt sich eventuell, was es mit den zugewucherten
Gleisanlagen auf sich hat und wohin das Gleis dort führt. Die Antwort ist einfach:
hier geht es weiter zum früheren Güterbahnhof von Tönning. Ein kleiner Exkurs
zur Befriedigung der Neugierde ;-):
Grund für den Eisenbahnbau von Flensburg nach Tönning war ursprünglich der Güterverkehr
von Dänemark nach England. Der Güterbahnhof liegt fast direkt vor dem heutigen Deich
an der Eider, hier wurden die Waren von der Bahn auf Schiffe umgeschlagen. Heute findet
man im Bereich des Güterbahnhofs neben den Weichenresten noch den alten Güterschuppen
sowie Reste der Viehverladerampen. Die Viehverladung war durchaus beachtlich - in
Spitzenzeiten wurden bis zu drei Schiffsladungen Schlachtvieh in Tönning von der
Bahn auf Schiffe umgeladen und nach England verschifft:
Hier ist das Ende der Welt erreicht - umsteigen in das Schiff nach England.
Übrigens kein Witz, der Ort 'Welt' liegt tatsächlich nicht weit entfernt ;)
Weiter geht es von Tönning aus Richtung Westen, mitten durch ursprünglichstes
Eiderstedt. Das Land wirkt noch flacher als bislang schon und lädt geradezu zum
vertieften aus-dem-Fenster-gucken ein: Weites Land, gelegentlich Schafe und ein
paar Warft-Reste (kleine Hügel auf denen früher zum Schutz gegen Sturmfluten die
Höfe etwas erhöht gebaut wurden). Wir fahren teilweise auf Original 20'er Jahre
Stahlschwellen und entlang von Telegraphenmasten weiter gen Westen. Im Hintergrund
des ersten Bildes ist noch Tönning zu sehen:
Die nächsten Haltestellen sind 'Kating' sowie etwas später 'Katharinenheerd'. Kating
liegt quasi im Nichts, woher die offenbar vorhandenen Fahrgäste kommen ist auf den
ersten Blick nicht zu sehen. Erstaunlich ist die Grösse des ehemaligen
Bahnhofsgebäudes in Katharinenheerd:
Dann wird Garding erreicht, der grösste (oder genauer der einzige grössere)
Ort zwischen Tönning und St.Peter-Ording.
In Garding gab es einst ein zweites Gleis sowie eine Verladerampe:
Nächster Haltepunkt ist Tating. Auch in Tating gab es einst mehrere Gleise - heute
besteht nur das durchgehende Gleis sowie ein Bahnsteig. Die Fläche um den heutigen
Bahnsteig lässt aber noch gut den Umfang der früheren Gleisanlagen erahnen. Hier
fährt ein NOB-Triebwagen gerade von Tating aus weiter in Richtung Husum. Die
Langsamfahrstelle (50) ist leider nicht erstaunlich wenn man sich den Zustand des
Oberbaus genauer ansieht - auf weiten Teilen der Bahnstrecke hat man den Eindruck,
als ob seit Bau der Bahn keine nennenswerten Investitionen in den Oberbau mehr
erfolgt sind (mit Ausnahme von LA Schildern). Das, obwohl die Bahnstrecke
fast ohne Kunstbauten (mit Ausnahme von kleinen Sielbrücken) auskommt und durch
flachste Landschaft verläuft:
Von Garding aus führt die Bahnstrecke in südwestlicher Richtung an Tating vorbei
dann nach Bad St.Peter-Ording. Zuerst wird der Haltepunkt Bad St.Peter-Ording Süd
erreicht. Das ehemalige Bahnhofsgebäude von St.Peter-Ording-Süd ist heute ein
Privathaus, am Haltepunkt wurden die in Schleswig-Holstein üblichen
'Haltepunkt-Möbel' aufgestellt - gerade ist hier die BRG mit Reinigungsarbeiten
aktiv:
Die Karte zeigt wie die Bahnstrecke von St.Peter-Ording-Süd parallel zum Ort und
der Küste nach St.Peter-Ording verläuft. Und schon wieder eine LA: Obwohl die
Kreuzung durch zahllose Ampeln gesichert ist, darf der Triebwagen die Strassenkreuzung
hier nur mit 30 km/h überfahren. Ganze 200 Meter geht es dann ohne Beschränkung
weiter, dann kommt die nächste LA - wieder 30 km/h, bis zum Endbahnhof:
Nun ist Bad St.Peter-Ording erreicht - das erste Bild zeigt die Einfahrt, teilweise
noch zu erkennen sind rechts die Reste eines weiteren Bahnsteigs. Ursprünglich
gab es bis zu sechs Bahnsteige und acht Gleise; ob diese jemals wirklich benötigt
und verwendet wurden.. Nach langem Verfall wird der Bahnhof St.Peter-Ording gerade
auf Vordermann gebracht. Die Gleisanlagen wurden gerade entfernt, so dass nur noch ein
einziges Gleis mit Bahnsteigkante übrig bleibt - dieser wurde in der üblichen
Hochbahnsteig-Bauweise und mit Haltestellen-Möbeln neu errichtet. Gleichzeitig
wird das ehemalige Bahnhofsgebäude grundlegend saniert, ausserdem werden Halteplätze
für Busse und Taxen neu gebaut. Dort wo gerade die Tiefbauarbeiten stattfinden
lagen einst mehrere Gleise:
Das ehemalige Bahnhofsgebäude von St.Peter-Ording. Wie das Gebäude in St.Peter-Süd
zeigt es sehr schön den sog. Grenzland Baustil der 20'er Jahre, in dem eine ganze
Reihe von Bahnhofsgebäuden in Schleswig-Holstein in dieser Zeit gebaut wurden:
Das im Umbau befindliche Bahnhofsgebäude von vorn - mit seinem markanten Eingangsdach:
Und hier ist dann Schluss - endgültig. Wer die Strasse weiter durch einen kleinen
Wald geht erreicht in knapp 10 Minuten zu Fuss den Strand. Nicht irgendeinen Strand,
sondern 'den' Strand, zumindest für Schleswig-Holstein der grösste Strand überhaupt.
Nach einer meditativen Bahnfahrt durch viel Landschaft eine schöne Abwechslung - im
Sommer..
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